Endlichkeit  und  Unendlichkeit

 

 

das Hauptprinzip aller Forschung, auf ein Ergebnis hin, ist :

 

Du begibst dich in eine Vielfalt hinaus, erfaßst soviel du kannst, und versuchst, diese Vielen zu einem Einen zusammenzufassen, unter irgendeinem Aspekt der Gleichheit aller.

Es ist dies zuerst ein Ergreifen der Vielen, und ihre Zusammenfassung zu einem Einen nennt man ein Begreifen, du hast dann etwas begriffen, einen Zusammenhang zwischen all den Vielen gestiftet, einen allen gemeinsamen Aspekt eingeführt, unter dem sie alle miteinander verbunden sein können, als ein einzig Eines, ein Begriff.

Dies nennt man Denken, entsprechend der Sanskrit-Verbalwurzel tañc (= denk-) , in ihrer Bedeutung "zusammenziehen" > (tanakti=denkt, "zieht zusammen").

Du ziehst also die Vielen zu einem Einen zusammen, einen ausgedehnten Raum zu einem Punkt.

Der Begriff ist der Punkt, ein Etwas, das aber nicht gesehen werden kann, weil es kein Auseinander ist, sondern nur Einheit. Willst Du dir klarmachen, was in ihm oder in ihr enthalten ist, so mußt du die unsichtbar darin enthaltene Vielfalt in einer Vorstellung sich entfalten lassen. Nur so, indem du ihn anschaulich machst, ihn in seiner Vielheit zeigst, kannst du ihn auf anderes vergleichend beziehen und so neue Verknüpfungen denkend stiften, letztlich zu immer größeren Komplexen, bis du alle für dich vorgesehene Vielfalt zu einem Einzig-Einen zusammengefaßt hast, wie es dir, als der Mensch der du bist, eben aufgegeben ist, jedem Menschen so sein eigenes Maß, seine eigene, speziell ihm gestellte evolutionäre Aufgabe.

Hat er sie erfüllt, hat er den letzten für ihn vorgesehenen Kreis von Bedeutungen geschlossen, zu einem allerletzten Ganzen, so ist für ihn der Vorgang der Evolution beendet, und sein bislang immer wieder begrenztes und neu sich begrenzendes Denken darf sich ins jenseits dieser Grenzen begeben, in die Unendlichkeit, die seine wahre Heimat ist. Denn unendlich war er zu Anfang, und unendlich wird er wieder sein.

Warum er seine Reise durch all die vielen Begrenztheiten angetreten hat, eine Reise von entsetzlich langer Dauer?

Vielleicht um zu lernen, wie unvergleichlich und kostbar seine wahre Heimat, die Unendlichkeit wirklich ist.

Er hat ihren Gegensatz kennenlernen müssen, die vielen endlichen Begrenzungen, und erst dann, wenn er ihr Extrem erfahren hat, allerengste Begrenzung mit dem Entzug aller Freiheit, erst dann mag er begriffen haben, wie leidvoll es ist, seine Freiheit zu verlieren und seine wahre Heimat vergessen zu haben, die Unendlichkeit, aus der er stammt, aus der alles stammt, die ewige Heimat von allem, was jemals existiert hat, was momentan existiert, und was jemals in Zukunft existieren wird, der Bereich, wo er unendliche Freiheit genießt, unendliche Möglichkeiten, bevor er zu einer einzigen, begrenzten sich hat verleiten lassen.