Die Bedeutung der einzelnen Buchstaben

 

Nun haben wir nach Aussage von Maharishi Mahesh Yogi im Rigveda das Faktum, daß alle Laute und der gesamte Text des Rigveda aus dem ersten Laut A hervorgegangen sind, in ihm ihren Ursprung haben. So würden wir als erstes die Charakteristik, das Wesen des Lautes A zu beschreiben haben, danach den Sinn der Lautsequenz AK. Der erste in seinem Sinn bekannte Textteil, das erste Wort des Rigveda ist AGNI - AK wird in Lautanpassung an das folgende N zu AG, also AGNI, dessen Bedeutung gewöhnlich mit „Feuer“ angegeben wird, entsprechend dem lateinischen IGNIS oder auch dem litauischen UGNIS, beide gleichfalls mit „Feuer“ übersetzt.

 

Ist es nun möglich, den Sinn von AGNI Laut für Laut zusammenzustellen und in einer Gesamtbedeutung wiederzugeben? Was wäre der tiefere Sinn für „Feuer“, der in Kürze den gesamten Text des Rigveda zusammenfassen könnte, als die sequentielle Entfaltung des Lebens, seine Evolution?

 

Ja, es ist möglich, und es ist mir auch schon gelungen. Hier soll nun seine ausführliche Darstellung erfolgen, abgeleitet aus den hierzu betrachteten Sprachen der Erde, und in Beziehung gesetzt zum Leben als ganzes, in der Sprache der Linguistik, der Philosophie, der Theologie und der Spiritualität der Meditation.

 

 

A

 

 

Den Sinn des Lautes A leiten wir zunächst aus den Sprachen Ainu, Maasai, Lushootseed, der Aleuten, Tupi-Guarani, Seneca, dem Irischen, Koyukon-Athabaskan, dem Altindischen (Sanskrit), dem Vietnamesischen und Yir-Yoront ab.

Dies geschieht im Zusammenhang einer grundlegenden Lebensdynamik, wie sie sich aus der Meditationserfahrung beobachten und in Ausdrücken der Philosophie anschaulich schildern läßt.

 

Der allgemeinste Sinn von A ist sein, existieren, „existieren" im Sinne des lateinischen Wortes „ex-sistere" = "heraustreten, sich herausstellen". „Heraustreten" woraus ? Was war das Innen-Sein ?

 

Nun, unser Bewußtsein hat zwei wesentliche Richtungen, mehr oder weniger zur Auswahl: Die Richtung nach außen, in die Welt der Dinge, und die Richtung nach innen. Erstere kennt jeder, es ist das allgemeine Interesse an der Welt, unsere tägliche Erfahrung. Die Richtung oder Wendung nach innen jedoch, also Rückzug von der Welterfahrung, von den Eindrücken der Sinne, gelingt uns - wohl auch mehr oder weniger erfolgreich - in der Ruhe des Schlafes, zu unserer Regeneration, zum Abklingenlassen der täglichen Eindrücke, zum Auftanken neuer Kräfte für den folgenden Tag.

Nun ist aber die Ruhe - selbst des angenehmsten Tiefschlafes - immernoch eine sehr oberflächliche Ruhe, verglichen mit der Ruhe, die man erfährt, wenn man den Geist auf seinem Weg nach innen wach hält, sodaß er noch tiefere und erholsamere Ebenen der Stille erfahren kann.

 

Dieser Vorgang wird auch genannt " Der Weg zur Mitte, Meditation ".

Man erfährt dabei ein Abgleiten in immer subtilere, feinere Zustände von Gedanken, bis man bei dieser zunehmend angenehmeren Erfahrung auch die feinst möglichen, kaum noch wahrnehmbaren Gedanken hinter sich läßt und nun ganz bei sich, ohne einen Gedanken, ohne Außenbezug, im reinen Sein ruht. Hier ist der Geist frei, ungebunden, ganz im Innern, in seiner Heimat, wo er sich wohl fühlt.

 

Weil dies ein Zustand ohne Gedanken ist, ohne ein Etwas, nennt man ihn treffenderweise das reine Sein oder das Nichts. Es ist der Grundzustand des Lebens. Von hier beginnt alles, und hierhin kommt es wieder zurück. Daß dieser Wechsel von Energie-Auftanken im reinen Sein oder Nichts, und dem darauffolgenden Schöpferisch-Sein oder Tätigsein draußen in der Welt nicht mehr harmonisch funktioniert, ist die schmerzliche Erfahrung unserer Zeit.

 

Das Abstandnehmen vom Grundzustand des Nichts ist also ein Nachaußengehen, der Beginn unserer (täglichen) Lebensreise, ein Sicheinlassen auf etwas, einer Absicht folgen, gleich wie ein Unternehmen, eine Firma intelligent geführt werden will und sich bewähren muß. Wir nehmen eine Rolle an, sind irgendwer, an einem Ort, in einer Stellung. Vieles wird uns begegnen.

 

Wir nennen das In-der-Welt-sein auch "Tag" oder "Licht". Hier ist Zeit und Reihenfolge, Verstand, Einsicht, Begriffsvermögen, Annehmen einer Arbeit, Einschlagen eines Weges, hier sind Einflüsse, Räume, Anpassungen. Es kann ein Drängen, Stoßen, Sich-den-Weg-Bahnen geben. Immer aber sollte nie vergessen sein die Bewegung zurück aus der Hektik des Alltags zum stabilen Ursprung des reinen Seins oder Nichts, und von dort wieder gestärkt in die Wechselfälle des Lebens hinaus.

 

A birgt in sich Vergangenheit, Zukunft und immer lebendige Gegenwart. Es ist die fortschreitende Erfahrung, die Suche nach ausreichender Vielfalt und ebenso nach deren Rückführung auf die Einheit eines möglichen Verständnisses, wie eines Wiedererinnerns.

 

A enthält die Richtung des Erlebens, seine Zielsetzung, seine Grenze, die einschränkende Wahl in aller Erfahrung, die Harmonie im Austausch der Lebenswerte. Es ist der Dreh- und Angelpunkt von Vergangenheit und Zukunft, von Endlichem und Unendlichem, von Gebundenheit und Freiheit, von vorübergehend Flüchtigem und gleichbleibend Beständigem, von Zeit und Ewigkeit, von Etwas und Nichts. Es ist wie ein Samenkorn: Geburt, Anfang, Herkunft und Quelle von allem. Alles Hoffen, Zweifeln und Trauern auf dieser Straße des Lebens kommt von ihm - wie ein Reinigungsprozeß, ein Bezahlen für Geschuldetes, aber auch ein Belohntwerden für Verdienstvolles.

 

Vieles mehr könnte man dazu sagen, aber wir beschränken uns auf das, was aus den oben erwähnten Sprachen abgeleitet werden konnte. Manches wird auch noch im Folgenden zu beschreiben sein.

 

 

Nun also zum nächsten Schritt.  Nach der Erklärung von  AG  als  Gott bei sich  und  I , der Welt ,  folgt nun die Beschreibung der  Verbindung  von  Gott zur Welt ,  nämlich  im ersten Rigveda-Wort 

 

A - G - N - I .

 

In  Die gemeinsame Wurzel aller Sprachen des Planeten Erde  haben wir die Bedeutung von  als Vergleich und Ausgleich zwischen Gott und Welt,  oder  zwischen Subjekt und Objekt,  zwischen Geist und Materie ,  allgemein als  Vergleich  so abgeleitet:

 

bedeutet in Wörtern wie nhd. nein, nicht, nie,   engl. no, never, not,   lat. non, ne, neque   usw.  Verneinung,  im Altgriechischen jedoch das Gegenteil:  nai = wahrlich, fürwahr, ja , allerdings,  und im Altindischen (Sanskrit) kann  na  beides bedeuten, einerseits  "nicht, nein",  und andererseits  "wie, gleichsam". 

 

Was diese Gegensätze, Positiv und Negariv, Ja und Nein in sich vereint, ist der Vergleich.  Im Vergleich  achten wir auf  "ist nicht"  und  "ist wie".

 

Der Vergleich vollzieht sich im Menschen zwischen einem äußeren Beobachteten und einem inneren Verstehenwollen, einem zugrundeliegenden Wissen, man kann sagen, einem inneren angelegten Plan, und einer äußeren Wirklichkeit, die ihm gegenübersteht, einem Kontakt und Austausch zwischen beiden. Man kann es in der Philosophie oder der Spiritualität noch tiefer fassen:  Von einem Allerinnersten her, dem gedankenfreien Feld reinen Bewußtseins aus, ist sogar das Denken ein Äußeres, und man kann von diesem innersten Zustand her  -  er heißt im Altindischen Samadhi  -  auch alle Tätigkeiten des gewöhnlichen Bewußtseins wie ein Objekt beobachten.

 

Dieses allerinnerste gedankenfreie Bewußtsein, reine Wachheit, ist der einzige wahrhaft und exakt "objektive" Beobachter.  Alles andere, gedankenbesetzte gewöhnliche Bewußtsein ist getönt, spezifisch individuell "gefärbt", wir sagen "subjektiv", und meinen in den sogenannten objektiven Wissenschaften etwas Minderwertiges, eben nur Spezifisches, nicht allgemein Gültiges als Ergebnis dieser Art von Beobachtung.

 

Die Frage von Innen und Außen ist also verschieden zu beantworten, je nach Tiefe der Fragestellung.

 

Das Allerinnerste nennen wir "Gott".  Gott ist also in uns, als Innerstes unseres Bewußtseins, und wir können ihn kontaktieren, dort wo unsere gedankliche Aktivität aufhört, und das gedankenfreie, reine Bewußtsein beginnt.

 

Dieses gedankenfreie reine Bewußtsein ist völlig separat, getrennt von allem.  Darum sagt man von Gott, er sei absolut, das heißt aus dem Lateinischen übersetzt, von absolvere, "losgelöst, abgelöst, frei von", nämlich frei von allem, was außerhalb ist.  Er oder es hat eine völlig andere Qualität, ist unveränderlich, immer gleich, unvergänglich, während alles Äußere ständig wechselt, veränderlich, vergänglich ist.

 

N ist also eine Brücke, im eigentlichem Sinne zwischen dem Allerinnersten und dem von ihm getrennten Äußeren, wir sagen, zwischen Gott und der Welt. Es vermittelt zwischen Gott und der Welt, man kann auch sagen, zwischen dem Bewußtsein und dem äußeren Bereich, den wir "Materie" zu nennen pflegen.

 

Das gedankenbesetzte Bewußtsein, das mit Inhalten versehen ist, wäre also eine Zusammensetzung, eine Mischung von Bewußtsein und Materie.  Darum ist es auch spezifisch, veränderlich, nicht mehr rein. nicht mehr ganz klar, und darum zurecht "nicht mehr absolut zuverlässig" zu nennen.

 

So, wie für Gott das gedankenbesetzte Bewußtsein, das Denken, etwas Äußeres ist, so ist für das gewöhnliche gedanken-, also inhaltsbesetzte  Bewußtsein des Menschen die Welt etwas Äußeres, die er mit den Sinnen kontaktieren kann, und die er qualitativ als Materie von seinem Bewußtsein unterscheidet.

 

Wir nennen also N auch in diesem Sinne eine Brücke zwischen dem menschlichen Bewußtsein und der materiellen Welt außen. Aber der eigentliche, tiefere Sinn von N muß uns klar sein.

 

N vermittelt also  -  in jedem Falle richtig gesagt  -  zwischen Innen und Außen, und zwar, indem es vergleicht, nach Gemeinsamkeit und Unterschiedlichkeit sucht.

 

Es ist ein Ausgreifen des Bewußtseins auf die Mannigfaltigkeit der Welt, und ein Eingehen dieser Mannigfaltigkeit in das Bewußtsein, beides vermittelt über die Brücke N.

 

Sollten wir nun die wahre Bedeutung des ersten Rigveda - Wortes  A G N I  angeben,  Laut für Laut übersetzt, so würden wir statt der herkömmlichen Bedeutung  Feuer  genauer formulieren:

 

Das unendliche Bewußtsein     ( A )          -           Sich begrenzend      ( G )         -

In Vergleichen      ( N )                              -           Sich fortpflanzend     ( I )  .

 

Will man, davon ausgehend, die Bedeutung  Feuer  verstehen, so meint man wohl die sich "vorwärtsfressende"  Gegenwartsfront, im Austausch zwischen Subjekt und Objekt, zwischen Geist und Materie,  zwischen Gott und Welt.

 

FORTSETZUNG :

Die Bedeutung der weiteren Buchstaben