Walter Gräbeldinger,  2016

Der wahre Gehalt unserer heiligen Schriften

Die Bibel

 

Aus der sprituellen jüdischen Tradition, v.a. aus der Kabbala, erhalten wir den Hinweis, daß alle - uns so vertrauten - " gängigen " Übersetzungen des Alten Testamentes nur das äußere Gewand der Texte darstellen, im Stile einer Geschichtsschreibung romanhaften Charakters, und wir werden gemahnt, nicht bei dieser Darstellung stehen zu bleiben, sondern den unter dem      " Gewand " verborgenen Körper, und weiter, in tieferer Schau, die in diesem Körper wohnende Seele zu suchen, weil allein so die Verbindung zur " Seele aller Seelen " hergestellt werden könne.

Nun muß man bedenken, und ich versuche dies zu zeigen, daß alle heute noch existierenden Sprachen - auch das Hebräische - in ihrer Lautgebung und dem System ihrer Bedeutungen, nur noch unscheinbare Splitter eines ursprünglichen Ganzen sind, Bruchstücke einer Ursprache, wenn man sie so nennen will, die unseren gegenwärtigen Sprachen bei weitem und in allen Belangen überlegen war.

Die heiligen Schriften der Menschheit - und ich kann dies vom altindischen Rigveda, der Bibel und dem Koran behaupten - sind von dieser ursprünglich-ganzheitlichen Vision aus verfaßt worden. Alle mir bekannten Übersetzungen - der Bibel, des Koran und des Rigveda - sind jedoch, weil sie vom Verständnis weniger oder nur einer einzigen Sprache aus konzipiert wurden, lückenhafte und völlig unzumutbare Zerrbilder des ursprünglichen und wahren Gehaltes.

Ich werde dies, wie schon für den Rigveda in Exkurs 4 meines Buches „Die gemeinsame Wurzel aller Sprachen des Planeten Erde“, nun auch für das Alte Testament zeigen, indem ich das Verständnis mehrerer Sprachen zu Hilfe nehme, was ich nun tun kann, da mir deren Wortgleichungen bekannt sind. Denn, wie schon einleitend S.19 gesagt: Wir können aus den "Splittern", den Teilbedeutungen ausreichend vieler Sprachen, der ursprünglichen Vision des Sprachschöpfers nahe kommen, sie wie ein Mosaik aus vielen Bedeutungen zusammensetzen, einer Vielheit von Bedeutungen, die uns nicht in ein unübersichtliches Chaos führt, sondern zu einer angenehmen und erfüllenden Ordnung.

So soll also der Anfang des Alten Testamentes, um ein Beispiel zu geben, neu übersetzt und die wahre Bedeutung des Gottesnamens Elohim erklärt werden, und - auf eine andere Weise - auch der Gottesname Jahwe  ( JHWH ), als im Menschen wirkender Geist.

Ebenso interpretiere ich das Neue Testament erstmalig, wie es meiner Sprachauffassung nahe liegt. Dazu sei der berühmte Satz aus dem Evangelium des Johannes 1,1 ausgewählt, der nicht nur unverstanden, sondern auch ( bewußt ? ) falsch übersetzt ist.

 

 

Wie stellt sich nun ein biblischer Text dar, wenn man die Semantik aller Sprachen der Erde zu seiner Übersetzung und Deutung heranzieht ?

In 2 Schritten sollten wir vielleicht vorgehen:

Zuerst, wie es Sokrates tat, in Platons berühmtem Dialog " Kratylos ", nämlich von ähnlichen Lautgebilden ein- und derselben Sprache - hier also des Hebräischen - auszugehen, um zu einem reicheren und wesentlicheren Sinn des betrachteten Wortes vorzudringen. Dann aber zweitens, alle verfügbaren Sprachen zur Übersetzung und Interpretation eines Textes oder Wortes heranziehen.


Beginnen wir also:

Die ersten Worte des Alten Testamentes werden gewöhnlich so übersetzt:

" Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde ", wie aus der Pistole geschossen, gleich MEDIAS IN RES, oder aber: IST JA NICHT SO WICHTIG; GEHEN WIR GLEICH WEITER ?

Zunächst einmal endet der erste Sinnabschnitt nach " Im Anfang schuf Gott " mit dem Wörtchen " 'et " oder " 'at ", gesetzt hinter " Elohim " ( Gott ) :

Bereschit bara elohim et. ET, das gewöhnlich nicht übersetzt wird, mag also ein Trennungszeichen sein, das Ende eines ersten Sinnabschnittes kennzeichnend.

Um es zu wiederholen: Die bisherigen Übersetzungen ignorieren wir tunlichst, denn sie sind in erschreckendem Maße unsinnig. Wir dürfen uns auch von den grammatischen Regeln und der Gliederung in Worte beim hebräischen Text nicht gefangen nehmen lassen, denn sie sind späteren Datums und nur noch spezifisch hebräisch, nicht mehr vollständig dem ursprünglichen Zustand entsprechend.

Das erste Wort wird gewöhnlich so getrennt: be - reschit und übersetzt als im (be) Anfang (reschit). Betrachten wir die Gebrauchsweise von be im Hebräischen, so stellt sich die Frage: Kann man im selben Sinne wie man sagt " im Hause ", " in der Stadt ", " in der Grube ", oder zeitlich " im Monat August " auch sagen " im Anfang " ?  -  Worin ist denn das, was im Anfang ist ?

Diese Übersetzung erinnert stark an die mechanisch-automatischen und seelenlosen Übersetzungsmaschinen. Viele Theologen haben sich den Kopf darüber zerbrochen, was man unter dem Anfang zu verstehen hat. Aber das ist nicht weiter verwunderlilch, ist doch auch den wenigsten Deutschsprachigen klar, was Anfang mit fangen zu tun hat. Wir übernehmen das komplizierte Regelwerk der Sprache von Generation zu Generation, und es wird nicht besser dadurch, ja man kann sagen, daß die Sprache von höherer Intelligenz zeugt als ihre Benutzer sie besitzen.

Suchen wir einen anderen Zugang !

Es fällt auf, daß der heilige hebräische Text nicht mit " a " beginnt, wie etwa der altindische Rigveda oder das hebräische Alphabet selbst. Wurde hier etwas unterschlagen, zurückgehalten, verheimlicht ?

Das erste Kapitel trägt den Namen Genesis, Schöpfung. Was ging der Schöpfung voraus ?

Diese Frage kann jeder beantworten, der sich - auf welchem Wege auch immer - in das Innerste seines Bewußtseins zurückziehen kann, in das Feld Reiner Intelligenz, einem Zustand, in dem kein begrenzender Gedanke mehr da ist, wo der Geist frei und unbeschränkt in seiner wahren Heimat ruht.

Dem Prinzip nach tut Gott als Person nichts anderes als der Mensch, sein Ebenbild. Auch er zieht sich zurück in das Feld reinen unmanifesten Bewußtseins, der Quelle aller Energie und Schöpferkraft, und wendet sich dann wieder, gestärkt, der Welt, seinem schöpferischen Spielplatz zu.

Dies muß man verstanden haben, wenn man die Bibel, oder welche religiöse Schrift auch immer interpretieren will.

So stellen sich nun, mit diesem Wissen, und neu geordnet, die ersten Worte der biblischen Schöpfungsgeschichte wie folgt dar: bereschit bara elohim :

Zuerst - was im überlieferten Text verschwiegen ist - ruht Gott im transzendenten, unmanifesten Ozean reinen Bewußtseins, ganz bei sich, gesammelt, ganz innen.

Dann entsteht der Gedanke: " Ein Äußeres sei ! " oder " Ein freies Feld sei ! "

 

Hebräisch bar = 1. Äußeres 2. = freies Feld und lat. sit oder ai. syāt = sei, beides zusammen : bar + sit o. syāt > hebr. bereschit.

Hierauf sofort die Realisierung: bara = ein Äußeres ( ist gegeben ).

 

Dann: elohim = ai. īlhyam     >  

e l o h i m                                                                                                               

ī l     hyam = zu loben, zu preisen.

 

Also: Ein Äußeres sei - Ein Äußeres (ist gegeben) - Es sei anzuerkennen, ernst zu nehmen.

 

Mögen wir uns tausendmal klar machen, die äußeren Dinge seien vergänglich, es sei kein Verlaß auf sie; so sind wir doch an sie gebunden, ziehen unsere Erkenntnisse aus ihnen; unser Leben verläuft mit ihnen und an ihnen.

 

Elohim ist vom Hebräischen aus gesehen ein Mehrzahlwort, übersetzbar als „Götter ". Weil dies dem jüdischen Ein-Gott-Glauben widerspricht, hat es bis auf den heutigen Tag heftige Dispute unter den Theologen gegeben. Wir schließen uns dem nicht an, denn es ist so, wie Immanuel Kant es ausdrückt, daß „einer den Bock melkt, und der andere das solcherart Gemolkene aufzufangen sucht, indem er ein Sieb darunter hält ".

" Elohim " kommt in den Texten der Bibel sehr häufig vor; aber auch in anderen Sprachen ist es präsent, wenn auch lautlich verändert. Als unverzichtbaren Wesenskern darf man vielleicht festhalten: - lh - il - - lg - oder ähnliches  -   wohl als wünschenswert und eigentlich korrekt die Sequenz Lateral (Mund-Seitenlaut)( l ) - Guttural (Kehllaut)( k, kh, g, h ... ).

 

                                                   FORTSETZUNG  FOLGT