AGNI    -    Gott und Welt

 

 

 

 

Wenn es wahr ist, wie Maharishi Mahesh Yogi es erstmals verkündet hat, daß der Rigveda, der älteste indisch-arische Text, eine hierarchische Bedeutungsstruktur aufweist, so dürfen wir davon ausgehen, daß seine 10 Kapitel, genannt Mandalas, allesamt im 1.Kapitel (Mandala) enthalten sind, daß ferner dessen 191 Unterkapitel, genannt Suktas, alle im 1. Unterkapitel (Sukta) dargeboten werden, daß weiterhin dessen 9 Satzfolgen, genannt Ricas (gesprochen „Ritschas“) in der 1. Satzfolge (Rica) enthalten sind. Deren 3 Sinnabschnitte, genannt Padas sind im 1. Pada verfügbar. Dessen 8 Silben sind in der 1. Silbe AK enthalten, AK ist enthalten im 1. Laut A. A, so sagt Maharishi, sei der 1. Ausdruck des ganzheitlichen Wertes der Sprache, der in Atma, dem Selbst von jedermann kontaktiert werden kann.

 

Nun haben wir mehr als 200 Sprachen aus Sprachfamilien aller Kontinente daraufhin untersucht, ob sie untereinander verwandt sind, so sehr sie sich auch in Lautung und Bedeutung unterscheiden mögen, und wir konnten diese durchgängige Verwandtschaft verifizieren, dargestellt in dem Buch „Die gemeinsame Wurzel aller Sprachen des Planeten Erde. Beginn einer Beschreibung“. Somit haben wir ein deutliches Indiz dafür, daß wohl alle Sprachen der Erde auf eine erste gemeinsame Ursprache zurückzuführen sind, aus der sie, sich differenzierend, allmählich entstanden sind..

 

 Es bleibt ferneren Zeiten überlassen, diesen Vorgang genau zu beschreiben. Wir haben beobachtet, daß es wohl zu allen Zeiten und in allen Völkern Sprachkundige gegeben haben muß, die den Zustand ihrer Sprache, so gut es ging, zu erhalten suchten, sie vor weiterem Verfall, vor weiterer Simplifizierung zu bewahren suchten. Diese Sprachempfindsamen kannten wohl die als 12, 27 oder auch als über 40, in jedem Fall aber in begrenzter Zahl auftretenden Grundlaute, die wir Phoneme nennen und sie annähernd als Buchstaben des Alphabets notieren. Ich bin sicher, daß auch die Bedeutung oder die Bezeichnungsfunktion dieser Grundlaute bekannt war, ist es mir selbst ja schon gelungen, sie teilweise zu rekonstruieren, und es wird dies auch vollständig möglich sein, für alle Sprachen.

 

 Nun haben wir nach Aussage von Maharishi Mahesh Yogi im Rigveda das Faktum, daß alle Laute und der gesamte Text des Rigveda aus dem ersten Laut A hervorgegangen sind, in ihm ihren Ursprung haben. So würden wir als erstes die Charakteristik, das Wesen des Lautes A zu beschreiben haben, danach den Sinn der Lautsequenz AK. Der erste in seinem Sinn bekannte Textteil, das erste Wort des Rigveda ist AGNI - AK wird in Lautanpassung an das folgende N zu AG, also AGNI, dessen Bedeutung gewöhnlich mit „Feuer“ angegeben wird, entsprechend dem lateinischen IGNIS oder auch dem litauischen UGNIS, beide gleichfalls mit „Feuer“ übersetzt.

 

 Ist es nun möglich, den Sinn von AGNI Laut für Laut zusammenzustellen und in einer Gesamtbedeutung wiederzugeben? Was wäre der tiefere Sinn für „Feuer“, der in Kürze den gesamten Text des Rigveda zusammenfassen könnte, als die sequentielle Entfaltung des Lebens, seine Evolution?

 

 Ja, es ist möglich, und es ist mir auch schon gelungen. Hier soll nun seine ausführliche Darstellung erfolgen, abgeleitet aus den hierzu betrachteten Sprachen der Erde, und in Beziehung gesetzt zum Leben als ganzes, in der Sprache der Linguistik, der Philosophie, der Theologie und der Spiritualität der Meditation.

 

 

 A

 

 Den Sinn des Lautes A leiten wir zunächst aus den Sprachen Ainu, Maasai, Lushootseed, der Aleuten, Tupi-Guarani, Seneca, dem Irischen, Koyukon-Athabaskan, dem Altindischen (Sanskrit), dem Vietnamesischen und Yir-Yoront ab.

 

Dies geschieht im Zusammenhang einer grundlegenden Lebensdynamik, wie sie sich aus der Meditationserfahrung beobachten und in Ausdrücken der Philosophie anschaulich schildern läßt.

 

Der allgemeinste Sinn von A ist sein, existieren, „existieren" im Sinne des lateinischen Wortes „ex-sistere" = "heraustreten, sich herausstellen".   „Heraustreten" woraus ?   Was war das Innen-Sein ?

 

 Nun, unser Bewußtsein hat zwei wesentliche Richtungen, mehr oder weniger zur Auswahl: Die Richtung nach außen, in die Welt der Dinge, und die Richtung nach innen. Erstere kennt jeder, es ist das allgemeine Interesse an der Welt, unsere tägliche Erfahrung. Die Richtung oder Wendung nach innen jedoch, also Rückzug von der Welterfahrung, von den Eindrücken der Sinne, gelingt uns - wohl auch mehr oder weniger erfolgreich - in der Ruhe des Schlafes, zu unserer Regeneration, zum Abklingenlassen der täglichen Eindrücke, zum Auftanken neuer Kräfte für den folgenden Tag.

 

Nun ist aber die Ruhe - selbst des angenehmsten Tiefschlafes - immernoch eine sehr oberflächliche Ruhe, verglichen mit der Ruhe, die man erfährt, wenn man den Geist auf seinem Weg nach innen wach hält, sodaß er noch tiefere und erholsamere Ebenen der Stille erfahren kann.

 

Dieser Vorgang wird auch genannt " Der Weg zur Mitte, Meditation ".

 

Man erfährt dabei ein Abgleiten in immer subtilere, feinere Zustände von Gedanken, bis man bei dieser zunehmend angenehmeren Erfahrung auch die feinst möglichen, kaum noch wahrnehmbaren Gedanken hinter sich läßt und nun ganz bei sich, ohne einen Gedanken, ohne Außenbezug, im reinen Sein ruht. Hier ist der Geist frei, ungebunden, ganz im Innern, in seiner Heimat, wo er sich wohl fühlt.

 

Weil dies ein Zustand ohne Gedanken ist, ohne ein Etwas, nennt man ihn treffenderweise das reine Sein oder das Nichts. Es ist der Grundzustand des Lebens. Von hier beginnt alles, und hierhin kommt es wieder zurück. Daß dieser Wechsel von Energie-Auftanken im reinen Sein oder Nichts, und dem darauffolgenden Schöpferisch-Sein oder Tätigsein draußen in der Welt nicht mehr harmonisch funktioniert, ist die schmerzliche Erfahrung unserer Zeit.

 

Das Abstandnehmen vom Grundzustand des Nichts ist also ein Nachaußengehen, der Beginn unserer (täglichen) Lebensreise, ein Sicheinlassen auf etwas, einer Absicht folgen, gleich wie ein Unternehmen, eine Firma intelligent geführt werden will und sich bewähren muß. Wir nehmen eine Rolle an, sind irgendwer, an einem Ort, in einer Stellung. Vieles wird uns begegnen.

 

 Wir nennen das In-der-Welt-sein auch "Tag" oder "Licht". Hier ist Zeit und Reihenfolge, Verstand, Einsicht, Begriffsvermögen, Annehmen einer Arbeit, Einschlagen eines Weges, hier sind Einflüsse, Räume, Anpassungen. Es kann ein Drängen, Stoßen, Sich-den-Weg-Bahnen geben. Immer aber sollte nie vergessen sein die Bewegung zurück aus der Hektik des Alltags zum stabilen Ursprung des reinen Seins oder Nichts, und von dort wieder gestärkt in die Wechselfälle des Lebens hinaus.

 

 A birgt in sich Vergangenheit, Zukunft und immer lebendige Gegenwart. Es ist die fortschreitende Erfahrung, die Suche nach ausreichender Vielfalt und ebenso nach deren Rückführung auf die Einheit eines möglichen Verständnisses, wie eines Wiedererinnerns.

 

A enthält die Richtung des Erlebens, seine Zielsetzung, seine Grenze, die einschränkende Wahl in aller Erfahrung, die Harmonie im Austausch der Lebenswerte. Es ist der Dreh- und Angelpunkt von Vergangenheit und Zukunft, von Endlichem und Unendlichem, von Gebundenheit und Freiheit, von vorübergehend Flüchtigem und gleichbleibend Beständigem, von Zeit und Ewigkeit, von Etwas und Nichts. Es ist wie ein Samenkorn: Geburt, Anfang, Herkunft und Quelle von allem. Alles Hoffen, Zweifeln und Trauern auf dieser Straße des Lebens kommt von ihm - wie ein Reinigungsprozeß, ein Bezahlen für Geschuldetes, aber auch ein Belohntwerden für Verdienstvolles.

 

Vieles mehr könnte man dazu sagen, aber wir beschränken uns auf das, was aus den oben erwähnten Sprachen abgeleitet werden konnte. Manches wird auch noch Erwähnung finden.

 

 

Der Text ist inzwischen zu einer ersten Vollständigkeit gestaltet.  Er erscheint mir zu kostbar, um ihn jedermann hier zur Einsicht anzubieten.

Kenner und Interessenten erhalten unter    waltergraebeldinger@gmx.de     den Text ganz oder in Auszügen zugesandt, soweit nichts dagegen spricht.

 

Walter Gräbeldinger

 

 

                                           

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